Am Rand von Costa del Este, in einem von Bauträgern auch als Costa del Mar bezeichneten Küstenabschnitt, entsteht derzeit eines der auffälligsten neuen Wohnprojekte der Gegend: die Ipanema Waterfront Residences.
Wer auf dem Corredor Sur vorbeifährt, kann den Baufortschritt gut beobachten. Noch wird an den beiden Wohntürmen gearbeitet, gleichzeitig nehmen aber bereits Teile der Außenanlagen Gestalt an. Grünflächen und erste landschaftsarchitektonische Elemente lassen erkennen, dass hier nicht einfach zwei weitere Hochhäuser entstehen sollen. Der bislang wenig attraktive Küstenabschnitt soll Teil einer aufwendig gestalteten Wohn- und Freizeitlandschaft werden.
Wohnungen ab 63 Quadratmetern
Ipanema besteht aus zwei Wohntürmen unmittelbar an der Bahía de Panamá. Nach Angaben des Projektträgers werden Wohnungen mit einem, zwei oder drei Schlafzimmern angeboten.
Die auf der offiziellen Projektseite dargestellten Grundrisse reichen von 63 Quadratmetern bis zu besonders großen Varianten mit 265 Quadratmetern. Bei den regulären Modellen finden sich unter anderem Einheiten mit 63, 73 und 85 Quadratmetern und einem Schlafzimmer, Wohnungen mit 89, 90 oder 100 Quadratmetern und zwei Schlafzimmern sowie verschiedene Drei-Schlafzimmer-Varianten von 100 bis 139 Quadratmetern. Zusätzlich werden größere Grundrisse und ein Penthouse-Modell angeboten.
Auch eine preisliche Größenordnung nennt der Bauträger. GLP Properties bewirbt Ipanema derzeit mit Wohnungen ab rund 280.000 US-Dollar und weist zugleich darauf hin, dass nur noch letzte Einheiten verfügbar seien. Preise und Verfügbarkeit können sich während der weiteren Vermarktung selbstverständlich ändern.
Rund 5.000 Quadratmeter für Freizeit und Erholung
Ein wesentlicher Bestandteil des Projekts sind die Gemeinschafts- und Freizeitbereiche. Die offiziellen Projektinformationen sprechen von insgesamt rund 5.000 Quadratmetern Amenities.
Dazu gehört eine große Poollandschaft. GLP bezeichnet den Hauptpool als den größten privaten Pool Panama-Stadts. Hinzu kommen unter anderem ein 50-Meter-Schwimmbereich, Wellness- und Spa-Angebote, Fitness-, Spinning-, TRX- und Boxtraining sowie eine Laufstrecke.
Auch das weitere Freizeitangebot ist ungewöhnlich umfangreich: Genannt werden unter anderem ein privates Kino, Tennisplatz, zwei Basketballplätze, zwei Fußballfelder, Sports Bar, BBQ-Bereich, Fire Pits sowie unterschiedliche Aufenthalts- und Freizeitbereiche für Erwachsene, Jugendliche und Kinder.
Die auffälligste Besonderheit befindet sich jedoch unmittelbar an der Küste.
Ein künstlicher Privatstrand an der Bahía de Panamá
Die Visualisierungen von Ipanema zeigen einen künstlich angelegten Privatstrand mit heller Sandfläche vor den Grün- und Freizeitanlagen. Zwischen Sandfläche und Wasser ist auf den Darstellungen eine Uferbefestigung aus großen Natursteinen zu erkennen.
Der Strand ist damit Teil der privaten Freizeit- und Parklandschaft am Meer. Zusammen mit Pool, Liegeflächen, Grünanlagen und dem Blick über die Bucht soll eine resortähnliche Atmosphäre entstehen.
Dabei zeigt die Bahía de Panamá an dieser Stelle je nach Gezeitenstand ein sehr unterschiedliches Gesicht. Bei Flut bestimmt die Wasserfläche den Blick. Bei Ebbe zieht sich das Wasser aufgrund des sehr flachen Küstenverlaufs dagegen weit zurück und große Schlickflächen werden sichtbar.
Umso wichtiger dürfte für den Gesamteindruck sein, wie die unmittelbar am Wasser liegenden Außenanlagen gestaltet und dauerhaft gepflegt werden.
Erste Herausforderung: Abfälle in der Bucht
Damit kommt eine Besonderheit des Standorts ins Spiel, die auf den Visualisierungen naturgemäß nicht zu sehen ist.
Abfälle in den Flüssen und Küstenbereichen der Bahía de Panamá sind seit Jahren dokumentiert. Ein erheblicher Teil gelangt über die Flüsse des Stadtgebietes in die Bucht. In der Umgebung von Ipanema mündet der Río Abajo, weiter östlich der Río Matías Hernández.
Behörden und wissenschaftliche Untersuchungen dokumentieren die Belastung dieser und weiterer Stadtflüsse. Untersuchungen zur Plastikbelastung an Panamas Küsten zeigen zudem, dass neben menschlichen Einträgen auch Gezeiten, Wellen und andere küstendynamische Prozesse die Verteilung von Plastik und anderem Meeresmüll beeinflussen können.
Das Problem ist bekannt – und inzwischen laufen verschiedene Maßnahmen dagegen. Río Abajo, Río Matías Hernández und Río Juan Díaz gehören zum Proyecto Siete Cuencas. Dort sollen Abfälle bereits in den Flüssen zurückgehalten werden, bevor sie die Bahía de Panamá erreichen. Hinzu kommen Reinigungs- und Sanierungsmaßnahmen entlang des Río Abajo und des Küstenbereichs.
Für Ipanema wird deshalb interessant sein, wie hoch der dauerhafte Pflege- und Reinigungsaufwand für den künstlichen Strand und insbesondere die unmittelbar vorgelagerte Uferbefestigung sein wird.
Zweite Herausforderung: der Corredor Sur
Die zweite Herausforderung ist bereits heute unüberhörbar: Ipanema liegt unmittelbar am Corredor Sur.
Die Schnellstraße gehört zu den wichtigsten Verkehrsachsen Panama-Stadts. Pkw, Busse, Lastwagen und insbesondere Motorräder sorgen entsprechend für einen deutlichen Geräuschpegel.
Dass Verkehrslärm in diesem Bereich ein reales Thema ist, zeigen auch Umweltuntersuchungen. Eine Untersuchung mit Messstellen unter anderem in Costa del Este und in Bereichen unmittelbar am Corredor Sur registrierte tagsüber maximale Lärmpegel zwischen 70 und 80 dBA und nachts zwischen 60 und 70 dBA. Diese Werte sind keine Messungen direkt an Ipanema, geben aber eine Größenordnung der dokumentierten Verkehrslärmbelastung im näheren städtischen Umfeld.
Zusätzlich wurde im Rahmen des Estudio de Impacto Ambiental Categoría II “AMPLIACIÓN DE LOS ENTRONQUES COSTA DEL ESTE E HIPÓDROMO – CORREDOR SUR” im April 2021 eine eigene Messung des Umgebungslärms direkt am Entronque Costa del Este durchgeführt. Damit wurde die Lärmsituation auch unmittelbar an der Anschlussstelle des Corredor Sur untersucht.
Wie stark der Verkehr später innerhalb der Wohnungen wahrgenommen wird, hängt von zahlreichen Faktoren wie Entfernung, Gebäudeausrichtung und Schallschutz ab. Besonders interessant dürfte jedoch die Situation in den Außenanlagen sein. Ein wichtiger Teil des Ipanema-Konzepts besteht gerade darin, Zeit im Freien zu verbringen – am Pool, auf den Liegeflächen, in den Grünanlagen oder am künstlichen Strand. Wie stark der Corredor Sur dort später akustisch wahrgenommen wird, lässt sich erst nach Fertigstellung zuverlässig beurteilen.
Ein bislang wenig attraktiver Küstenabschnitt verändert sich
Abfälle in der Bucht und Verkehrslärm sind zwei Herausforderungen des Standorts. Sie ändern jedoch nichts daran, dass mit Ipanema ein heute wenig attraktiver Küstenabschnitt deutlich aufgewertet werden könnte.
Besonders positiv fällt bereits während der Bauphase auf, dass nicht ausschließlich an den beiden Türmen gearbeitet wird. Teile der Außenanlagen sind vom Corredor Sur aus bereits zu erkennen. Grünflächen und landschaftsarchitektonische Arbeiten vermitteln einen ersten Eindruck davon, wie stark sich das Erscheinungsbild dieses Bereichs verändern könnte.
Die Kombination aus Wohnungen unterschiedlicher Größe, ungewöhnlich umfangreichen Gemeinschaftseinrichtungen, großer Poollandschaft, Grünflächen und künstlichem Privatstrand macht Ipanema jedenfalls zu einem interessanten Projekt für Costa del Este.
Ob die fertige Anlage die Erwartungen der Visualisierungen erfüllt, wie sich der künstliche Strand im Alltag bewährt und wie die Bewohner die unmittelbare Nähe zum Corredor Sur wahrnehmen, lässt sich heute noch nicht beantworten.
Gerade deshalb lohnt es sich, die Entwicklung weiter zu beobachten. Schon jetzt lässt sich aber erkennen: An diesem Rand von Costa del Este entsteht mehr als nur ein weiteres Hochhausprojekt.
Ergänzende Quellen
Die Primärquelle zum Projekt ist unterhalb dieses Artikels angegeben. Für die Einordnung einzelner Aspekte wurden darüber hinaus folgende Quellen herangezogen: Ministerio de Ambiente de Panamá (MiAmbiente) – Saneamiento de la parte baja de la cuenca del río Abajo, Ministerio de Ambiente de Panamá (MiAmbiente) / Marea Verde – Proyecto Siete Cuencas, Distribution of Plastic Debris in the Pacific and Caribbean Beaches of Panama, eine Umweltuntersuchung mit Lärmmessungen in Costa del Este und angrenzenden Bereichen des Corredor Sur sowie das Estudio de Impacto Ambiental Categoría II “AMPLIACIÓN DE LOS ENTRONQUES COSTA DEL ESTE E HIPÓDROMO – CORREDOR SUR”.
Relevanz: Ipanema zeigt beispielhaft, wie sich Costa del Este weiterentwickelt und auch bislang wenig attraktive Küstenflächen in hochwertige Wohn- und Freizeitbereiche einbezogen werden. Für Immobilieninteressenten sind neben Preisen, Wohnungsgrößen und umfangreichen Gemeinschaftsflächen zugleich die unmittelbare Küstenlage und die Nähe zum Corredor Sur wichtige Standortfaktoren.